Frauenbilder in den Medien …oft leider ein Graus

Anfang Juni ging ein Rumoren durch die Computerspiel-Szene: Anita Sarkeesian, eine US-amerikanische Kommunikationswissenschaftlerin, die sich vor allem mit Frauen und Popkultur auseinander setzt, kündigte eine Videoserie über gängige sexistische Frauen-Klischees in Videospielen an. Das Besondere: Mit Crowdfunding schaffte sie statt der angestrebten 6000 Dollar ganze 158,922 Dollar und gleichzeitig löste sie damit auch einen regelrechten Shitstorm aus. Was bedeuten nun all diese Begriffe und was hat das mit Ihnen zu tun?

Erstmal zu den Begriffen:

  • Crowdfunding [craudfanding]: Eine Methode Geld zu sammeln, indem die Menge (crowd) genutzt wird. Dafür gibt es im Internet verschiedene Plattformen, die vor allem im künstlerischen Bereich genutzt werden, um Projekte oder Vorhaben zu finanzieren. Wenn Sie eine tolle Idee haben, können Sie das ebenfalls probieren. Startnext ist ein österreichisches Beispiel dafür.
  • Shitstorm: „storm“ bedeutet Sturm, und was „shit“ heißt, wissen Sie ja vermutlich. Wenn irgendwelche Beiträge im Internet auftauchen, auf die dann eine Flut der Entrüstung in Form von Kommentaren, Videos und Blogartikeln folgt, wird von einem Shitstorm gesprochen. Trolle bedienen sich ebenfalls gern dieser Art der Kommunikation.
    Kürzlich war auch in der Kleinen Zeitung mal die Rede von einem Shitstorm, allerdings sind andere der Meinung, dass des eher ein laues Lüftchen war.
  • Gaming-Community [geyming commjunity]: Game ist das englische Wort für Spiel, und bei Videospielen kann auch vom Gaming gesprochen werden [gayming – ausgesprochen]. Community meint die Gemeinschaft. Personen, die viel Computerspielen und sich im Internet dafür engangieren (in einem Foren, mit Videoanleitungen für andere) sind gar nicht so selten und meist zwischen 20 und 30. Videospiele sind vor allem etwas für Erwachsene.

Alle diese Spiele wird Anita Sarkeesian untersuchen

Was ist passiert ?
Nun gut, Anita Sarkeesian hat also ein heißes Eisen angefasst. Denn in Videospielen spielen Frauen bislang nur eine untergeordnete Rolle. Oft sind sie hilflose Prinzessinnen, die gerettet werden müssen, bösartige Kreaturen mit überdimensionalen Brüsten oder andere Darstellungen von Sexobjekten. Ernstzunehmende Heldinnen ohne großes Dekolleté stellen in Videospielen eine Seltenheit dar. Dabei sitzen viele Mädchen und Frauen selbst gerne vor den Spielkonsolen und erleben genauso gerne virtuelle Abenteuer und Herausforderungen wie Burschen und Männer.
Mit dem großen medialen Echo über die gezielten Hack-Angriffe auf ihre Internetseite, ihren Wikipedia-Eintrag, den Mord- und Vergewaltigungsdrohungen gegen sie auf ihrem Video-Kanal auf Youtube und allen anderen gängigen Kommunikationswege im Internet bis hin zu einem Mini-Computerspiel, bei dem das Gesicht von Anita Sarkeesian bis zur Unkenntlichkeit geschlagen werden sollte, wurde eine Lawine an Berichten losgetreten und eine Diskussion über die Art und Weise, wie Frauen medial „zum Schweigen“ gebracht werden. Anita Sarkeesian hat sich die Sache nicht gefallen lassen und auch die fast 7000 Personen, die sie finanziell bei ihrem Vorhaben so tatkräftig unterstützen , zeigen ganz deutlich, dass sie nur an die Spitze eines Eisbergs gestoßen ist und die Darstellung von Frauen in der Medienwelt ein Thema ist, das zum Thema gemacht werden sollte.

(Medienspiegel: TAZ, Standard, Süddeutsche)

Märchenschloss, Traumprinz…und sonst?

Im Internet tauchen Frauen nach wie vor vor allem in Bezug auf ein Thema auf: Sex. Sogar die einfache Suchabfrage „Frauen“ bringt bei Google zahlreiche Anzeigen für Frauen aus dem Osten und Erotik-Kontakte zum Vorschein. Sämtliche Werbeeinschaltungen drehen sich um weibliche Singles, die Beschäftigung für „einsame“ Stunden suchen. Persönlich wurde ich sogar schon einmal von einer wildfremden Person über gmail angechattet, die Geld mit virtuellen Schäferstündchen verdient. Einfach so.

In Kinofilmen zeichnet sich ein ebenso trauriges Bild, wenn frau auf der Suche nach starken weiblichen Persönlichkeiten ist. Frauen sind Partnerinnen, Mütter und begehrenswerte Geschöpfe, selten aber ernstzunehmende Charaktere, deren Rolle einen ganzen Film trägt und mehr Inhalt hat, als den männlichen Gegenpart anzuhimmeln. Anita Sarkeesian hat diesbezüglich den Bechdel-Test bekannt gemacht, der aus folgenden 3 Fragen besteht, die auf jeden Film angewendet werden können:

1. Spielen in dem Film mindestens zwei Frauen mit?
2. Sprechen diese Frauen miteinander?
3. Sprechen sie über etwas anderes als Männer?

Das Ürschütternde daran ist, wieviele Filme diese drei Fragen nicht mit „ja“ beantworten können. Allen voran die komplette Trilogie von „Herr der Ringe“, „Avatar“, die berühmte Star Wars – Trilogie und der letzte Teil von „Harry Potter und die Heiligtümer des Todes II“ ebenso. Und noch viele, viele mehr.  Und das sind Filme, die Millionen jährlich in die Kinokassen einspielen. Ähnlich verhält es sich mit vielen Disney-Filmen, bei denen die Prinzessinnen meist gar nur Tiere als GesprächspartnerInnen vorfinden und einzig der Prinz das Hauptthema ist. Erfolgreiche Kinofilme und Geschichten wie „Hunger Games“ (Frühjahr 2012) und „Merida“ (aktuell) mit starken weiblichen Hauptrollen, mit denen sich Mädchen abseits von Frisiertischen und Brustvergrößerungen identifizieren können sind leider Mangelware.  Die Schauspielerin Geena Davis (Thelma & Luise) hat aus diesem Grund eine eigene Forschungseinrichtung ins Leben gerufen, die sich mit Geschlechterrollen in den Medien auseinander setzt und zum Ziel hat, mehr Filmproduktionsfirmen dazuzubewegen, das Bild von Frauen in den Medien zu ändern, Mädchen neue und andere Vorbilder zu schaffen. Der Einfluss von filmischen Vorbildern darf in unserer heutigen Welt nicht unterschätzt werden, gerade wenn die Berufswahl von Frauen noch immer sehr stark an klassisch traditionellen Bereichen hängt, die wenig lukrativ und existenzsichernd sind. Was wir sehen, schafft Realität. Was gerade „modern“ ist, kommt ja auch nicht aus heiterem Himmel. Wie zum Beispiel die Genitalchirurgie. Oder die Art, wie sich Mädchen gerne kleiden (=>Spielzeug).

Wichtige Botschaften für Mädchen und Frauen

typische Bratz Puppe

Romantische Komödien mögen zwar nett im Kino anzusehen sein, Hochzeit als Happy End ist am gegenwärtigen Arbeitsmarkt allerdings keine Garantie mehr für finanzielle Sicherheit. Ebenso wenig tragen populäre Computerspiele in denen nur Busen und Po der weiblichen Figuren von Interesse für den Spielverlauf sind, zum selbstbewussten Umgang von Frauen mit ihrem Fähigkeiten, ihrer Persönlichkeit und ihrem Körperbild bei.

In diesem Sinne: Hinschauen, Ansprechen, Mitdiskutieren, Vorbild sein! 🙂

Filmtipp „Merida“ (Im Original „Brave“ = mutig)

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Eine Antwort zu Frauenbilder in den Medien …oft leider ein Graus

  1. Florian schreibt:

    „Der Einfluss von filmischen Vorbildern“ wird ins Groteske verzogen übertrieben.

    Wieviele Filme wie „Terminator“, „Rambo“ oder andere Actionfilme haben die heutigen 18jährigen Männer schon gesehen? Wieviele Soldaten als mögliche Vorbilder in Filmen haben Jungs? Und trotzdem gibt es Rekrutenmangel beim freiwilligen Wehrdienst. Es sieht eher so aus als würden die meisten Menschen sich ECHTE Menschen als Vorbilder nehmen und nicht Filmcharaktere.

    „Ähnlich verhält es sich mit vielen Disney-Filmen, bei denen die Prinzessinnen meist gar nur Tiere als GesprächspartnerInnen vorfinden und einzig der Prinz das Hauptthema ist.“ Wieviele Disney Filme aus den LETZTEN 10 Jahren erfüllen ihr Klischee?

    Der Bechdel-Test kann auch nur interessante Denkanstöße erzeugen und ignoriert allerdings zu viele Teile der Filme. (Warum ist der Test nur auf Gespräche beschränkt? Zählt der Rest des Films nicht?) Bsp: Avatar: Am Ende des Films rettet der Mann die Frau und wenig später rettet die Frau den Mann! Auch die Pilotin wäre erwähnenswert.

    Dann hätten wir noch das hier: http://www.zeit.de/2013/19/frau-maennerberuf-technik-brauerei
    Warum wird von vornherein ausgeschloßen, daß unter Umständen Frauen TATSÄCHLICH weniger Interesse haben an technischen Berufen?

    Das einzig interessante ist der Teil mit der Suchabfrage in Google. Der Rest ist langweiliges Klischee.

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